Wer heute in ChatGPT ein Bild erzeugt, arbeitet nicht mehr mit DALL·E: Aktuell ist die Bildgenerierung von ChatGPT selbst (Modell gpt-image-2, seit April 2026), und der klassische DALL·E-GPT wird nach OpenAIs Ankündigung Ende August 2026 aus ChatGPT entfernt. Für deine Kennzeichnungspflicht ändert der Namenswechsel nichts; für Aussagen zu Signalen musst du dennoch den konkreten Modell-, Produkt- und Downloadweg prüfen. Die Grundregeln, wer überhaupt kennzeichnen muss, stehen im Überblick zur KI-Kennzeichnungspflicht.

Was OpenAI in dein Bild schreibt — und was nicht

EbeneStatus bei ChatGPT-BildernWer kann es lesen?
C2PA Content Credentialsfür die aktuell dokumentierten Produkte, Modelle und unterstützten DateiformatePrüfwerkzeuge
SynthID-Wasserzeichenfür die aktuell dokumentierten BildwegeOpenAIs Prüfdienst
IPTC DigitalSourceTypefür DALL·E 3 belegt, für das aktuelle Modell nicht dokumentiertPlattformen wie Instagram
Sichtbares Label im Bildkein verlässlich eingebautes Label dokumentiertMenschen — maßgeblich für Art. 50 Abs. 4
KI-Textekein entsprechender OpenAI-Provenienzweg dokumentiert

OpenAI nennt in der aktuellen Provenienz-Dokumentation ChatGPT, Codex und API-Bildwege, begrenzt Zusagen aber nach Produkt, Modell, Format und Zeitpunkt. Deshalb sollte eine Aussage wie „jedes OpenAI-Bild trägt immer beide Signale“ vermieden werden. OpenAI hat Abschnitt 1 des freiwilligen EU Code of Practice unterzeichnet; das ist kein Konformitätszertifikat.

Der C2PA Conformance Explorer führt einen OpenAI-Erzeugerdienst mit Assurance Level 1. Die Listung belegt die Prüfung des gelisteten Produkts ab ihrem Geltungsbereich; sie erlaubt keinen Rückschluss darauf, welche Signale jede ältere oder anders erzeugte Datei enthält.

Das sichtbare KI-Label musst du erbitten

Der stärkste Befund dieser Seite steht in OpenAIs eigenem Help Center: Ein sichtbares Wasserzeichen ist möglich — indem du das Modell im Prompt darum bittest, wörtliches Beispiel: „Include a visible OpenAI watermark in the image.“

Was dabei herauskommt, ist ein generiertes Bildelement, kein standardisiertes Provenienzsignal. Inhalt, Position und Lesbarkeit können variieren, daher solltest du das Ergebnis prüfen und bei einer erforderlichen Offenlegung ein kontrolliert gesetztes Label verwenden.

Drei Wege ins Netz, drei Ergebnisse

OpenAI benennt die Bruchstellen selbst, ungewöhnlich offen: „But metadata is not foolproof. It can be stripped, lost through uploads and downloads, or broken by transformations like file format changes, resizing, or screenshots.“

Was mit dem Bild passiertC2PA-ManifestSynthID
dokumentierter Originaldownload in unterstütztem FormatSignale können enthalten seinlaut Produktdokumentation enthalten
Screenshoteingebettetes Manifest wird gewöhnlich nicht übernommenkann erkennbar bleiben; keine Garantie
Format-Konvertierung, Resize, Kompressionkann entfernt oder durch einen C2PA-fähigen Workflow aktualisiert werdenauf Robustheit ausgelegt; Ergebnis transformationsabhängig
Zuschnitteingebettetes Manifest kann ungültig oder entfernt werdenErkennbarkeit kann abnehmen
Kopieren über die Zwischenablagevon OpenAI nicht dokumentiertvon OpenAI nicht dokumentiert

Zwischen Download und fertigem Beitrag liegen oft Bildbearbeitung, Zuschnitt, WebP-Konvertierung oder CDN-Optimierung. WebP unterstützt C2PA 2.4 grundsätzlich; ein konkretes CMS kann Manifeste dennoch entfernen oder ein C2PA-fähiger Workflow sie aktualisieren. Prüfe deshalb auf der eigenen Website, Instagram und X das tatsächlich ausgelieferte Asset und die sichtbare Plattformanzeige.

Warum die zwei Signale keine sichtbare Betreiber-Offenlegung ersetzen

Der EU AI Act kennt zwei getrennte Pflichten. Art. 50 Abs. 2 richtet die maschinenlesbare Markierung an Anbieter. Art. 50 Abs. 4 kann dich als Betreiber treffen, wenn du das System beruflich unter eigener Autorität eingesetzt hast und einen Deepfake veröffentlichst: Die Offenlegung muss klar und unterscheidbar spätestens beim ersten Kontakt erfolgen Art. 50 Abs. 5. Bloßes Weiterveröffentlichen macht dich nicht automatisch zum Betreiber.

Dass das eine das andere nicht ersetzt, steht wörtlich in den Leitlinien der Kommission: Kennzeichnungen müssen für natürliche Personen wahrnehmbar sein, „ohne dass sie auf spezielle technische Werkzeuge zurückgreifen“ müssen — deshalb können Betreiber sich nicht auf die maschinenlesbare Markierung des Anbieters stützen LL Rn. 117. Dieselbe Aussage steht in der Art.-50-FAQ der Kommission. Klarer kann eine Behörde eine Frage nicht beantworten.

Nachmessen statt vertrauen

OpenAI betreibt einen eigenen Prüf-Endpunkt. Über POST /v1/content_provenance_checks liefert die API die Felder outcome, validation_state, issuer (bei OpenAI-Bildern: OpenAI OpCo, LLC) und model (gpt-image). Drei wichtige Details aus der Dokumentation:

  • outcome: detected erscheint nur, wenn ein vertrauenswürdiges Manifest OpenAI als Aussteller nennt und eine KI-Erzeugungs-Aktion enthält. Ein Treffer beim issuer allein bedeutet also nichts.
  • Ein invalid-Manifest darf laut OpenAI nicht als belastbarer Nachweis behandelt werden.
  • Der API-Endpunkt ist laut Dokumentation nicht für Zero Data Retention zugelassen. Für das Web-Werkzeug beschreibt OpenAI eine getrennte Datenbehandlung: Uploads werden nicht zum Training verwendet und abgesehen von rechtlichen Erfordernissen nicht gespeichert. Für beide Wege bleibt der Upload fremder Personenbilder eine eigene Datenschutzentscheidung; openai.com/verify akzeptiert PNG, JPEG und WebP bis 50 MiB.

Ein Prüfergebnis gilt immer nur für die untersuchte Datei und den konkreten Produktweg. Archiviert deshalb bei internen Stichproben mindestens Modell, Tarif, Erzeugungsdatum, Downloadweg, Originaldatei und verwendetes Prüfwerkzeug; erst dann ist der Befund reproduzierbar.

So kennzeichnest du ChatGPT-Bilder richtig

  1. Den dokumentierten Originaldownload bevorzugen. So ist die Chance am größten, dass die für diesen Produktweg zugesagten C2PA- und Wasserzeichen-Signale erhalten bleiben; eine Garantie für jede Datei ist das nicht.
  2. Sichtbares Label ins Bild setzen: das amtliche „AI“-Zeichen, gern mit deutschem Zusatz „KI-generiert“, kontrastreich und ohne Scrollen erkennbar. Welche Platzierung die Leitlinien tragen, steht auf der Seite KI-Bilder richtig kennzeichnen.
  3. Nach der Bearbeitung gegenprüfen. Eine CMS-Konvertierung kann das Manifest entfernen oder verändern; WebP selbst unterstützt C2PA. Für die wahrnehmbare Offenlegung bleibt das sichtbare Label entscheidend.

Wie viel Arbeit dir ein Anbieter abnimmt, hängt vom konkreten Produktweg ab. Auch bei den von Google dokumentierten Signalen bleibt die Rollen- und Offenlegungsprüfung getrennt — nachzulesen auf der Seite zu Gemini und Imagen.

Zwei unsichtbare Signale, ein sichtbares Label

Wenn dein dokumentierter OpenAI-Bildweg C2PA und SynthID enthält, bleiben beide ohne Prüfwerkzeug unsichtbar. Ist eine sichtbare Offenlegung erforderlich, zieh das Bild in den Editor, setze das EU-Label und exportiere in Eingabeauflösung bis zum Browserlimit — ohne Upload.

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