Wer ChatGPT für Bilder und Texte nutzt, trifft auf unterschiedliche dokumentierte Provenienzwege. Zugleich gelten für Deepfakes und für veröffentlichte Texte unterschiedliche Tatbestände. Weder Fotorealismus noch die Bezeichnung „Marketingtext“ entscheiden allein: Maßgeblich sind beim Bild der Authentizitätskontext und beim Text Thema, Zweck, Öffentlichkeit und gegebenenfalls die Qualität menschlicher Prüfung. Die Grundregeln stehen im Überblick zur KI-Kennzeichnung.

Was OpenAI in deinen Text schreibt

ModalitätSignaleGeltungsbereich
BilderC2PA Content Credentials und SynthID in den dokumentierten unterstützten Wegennach Produkt, Modell, Format und Zeitpunkt prüfen
AudioSynthID in den dokumentierten unterstützten Wegennach Produktweg prüfen
Textkein OpenAI-Provenienzsignal dokumentiertChatGPT-Text

OpenAI beschreibt die Ausweitung von Provenienzsignalen „auf alle Modalitäten einschließlich Text“ als Ziel. Das stützt den aktuellen Dokumentationsbefund, beweist aber keine universelle technische Negativtatsache. OpenAI hat den Anbieter-Abschnitt des freiwilligen EU Code of Practice unterzeichnet; daraus folgt weder eine Zertifizierung noch eine Aussage über jede Ausgabe.

Warum Text technisch anders ist als Bild

Der Code of Practice verlangt mindestens eine geeignete maschinenlesbare Technik. Mehrere Schichten sind vorgesehen, solange eine einzelne Technik die vier Anforderungen nicht allein erfüllt; zugleich gibt es Ausnahmen, darunter Freitext. Der Code begründet diese noch damit, dass Freitext keine Metadaten transportieren könne.

Diese regulatorische Ausnahme ist von der technischen Entwicklung zu trennen: C2PA 2.4 beschreibt Einbettungen für unstrukturierten Text über Unicode Variation Selectors sowie für strukturierten Text wie Markdown und YAML. Ein konkreter Copy-Paste- oder Publishing-Workflow muss das allerdings implementieren und erhalten. Google dokumentiert ein statistisches Wasserzeichen für Gemini-Text; OpenAI dokumentiert für ChatGPT-Text derzeit keinen entsprechenden Weg.

Was das KI-Kennzeichnungsgesetz von dir verlangt — enge Voraussetzungen

Für Texte gilt nicht die Deepfake-Regel, sondern Art. 50 Abs. 4 UAbs. 2. Drei Bedingungen müssen zusammenkommen: Der Text ist veröffentlicht, er soll die Öffentlichkeit informieren, und er betrifft eine Angelegenheit von öffentlichem Interesse. Selbst dann entfällt die Pflicht nur, wenn eine fachkundige Person den Inhalt substanziell prüft und Fakten kontrolliert, redaktionelle Kontrolle ausgeübt wird und eine verantwortliche Person öffentlich benannt ist LL Rn. 133–136. Eine oberflächliche Freigabe genügt nicht.

Der Kippschalter liegt bei Thema und Zweck, nicht beim Werkzeug. Aussagen zu Gesundheit, Verbrauchersicherheit oder Nachhaltigkeit können eine Angelegenheit öffentlichen Interesses betreffen; die Bezeichnung „Werbetext“ schließt das nicht automatisch aus. Was das für Content-Marketing bedeutet, steht auf der Seite zu KI-Texten für SEO.

OpenAI-Policy und AI Act getrennt einordnen

Welche vertragliche Folge ein Verstoß im Einzelfall hat, lässt sich aus den verlinkten Quellen nicht pauschal ableiten. Wer Texte veröffentlicht, sollte deshalb sowohl den konkreten Policy-Scope als auch die EU-Textregel prüfen.

Der Detektor, den OpenAI selbst abgeschaltet hat

Am 20. Juli 2023 nahm OpenAI seinen „AI Text Classifier“ vom Netz, begründet mit dessen „low rate of accuracy“. Im damaligen Evaluationsset erkannte das Werkzeug 26 % der KI-Texte korrekt und stufte 9 % menschlicher Texte fälschlich als KI-generiert ein; unter 1.000 Zeichen bezeichnete OpenAI es als sehr unzuverlässig. Das ist ein historischer Befund zu diesem Classifier, kein aktueller Benchmark für alle Erkennungsdienste.

Auch ein herstellereigener historischer Classifier lieferte damit keinen sicheren Herkunftsnachweis. Wer heute mit einem Detektor-Prozentwert argumentiert, muss Modell, Testkorpus und Fehlerquoten des konkreten Werkzeugs betrachten. Die Grenzen sortiert die Seite KI-Texte erkennen.

Wenn du kennzeichnest: Wortlaut und Ort

Fällt dein Text unter die Pflicht, nennt der freiwillige Code of Practice geeignete Orte: über oder am Anfang des Textes, in der Nähe der Überschrift oder in einem Kolophon beziehungsweise Vorspann am Anfang des konkreten Textes CoP 1.2.2 f. Das sind Umsetzungsregeln des freiwilligen Kodex, keine eigenständige gesetzliche Pflicht für Nicht-Signatare. Nicht ausreichend sind pauschale Hinweise ohne Bezug zum konkreten Output, Angaben allein in den Nutzungsbedingungen und rein technische Beschreibungen wie „dieses System nutzt Sprachmodelle“ LL Rn. 38.

Die amtlichen EU-Icons sind auch für veröffentlichten Text vorgesehen. Ein klarer deutscher Zusatz sollte unterscheiden, ob der Text KI-generiert oder lediglich KI-bearbeitet wurde. Wie Icon und Zusatz zusammengehen, steht unter Wie kennzeichnen?.

Und das Bild aus demselben Chat?

Für Bilder gilt die Deepfake-Regel. Ein ChatGPT-Bild kann erfasst sein, wenn es sich auf eine existierende Person, ein Objekt, einen Ort, eine Entität oder ein Ereignis bezieht und im konkreten Kontext fälschlich authentisch oder wahr wirkt. C2PA und SynthID sind maschinenlesbare Techniken für die Anbieter-Markierung; sie ersetzen keine erforderliche sichtbare Betreiber-Offenlegung LL Rn. 117. Der praktische Ablauf steht auf der Seite ChatGPT-Bilder kennzeichnen.