KI-Übersetzungen begegnen in Unternehmen, Wissenschaft und Publikationen mehreren Regelwerken mit unterschiedlichen Zielen. Art. 50 regelt öffentliche Transparenz, die DFG das Förderhandeln, Elsevier seine Journals und Amazon KDP seine Plattform. Die europäische Grundregel steht im Überblick zur KI-Kennzeichnung.

Was der EU AI Act zur KI-Übersetzung sagt

Für Texte gilt Art. 50 Abs. 4 UAbs. 2 — Pflicht nur bei veröffentlichten Texten mit dem Zweck, die Öffentlichkeit über eine Angelegenheit von öffentlichem Interesse zu informieren. Eine KI-Übersetzung bleibt unabhängig von späterer Prüfung KI-erzeugt oder -manipuliert. Die Offenlegung kann aber entfallen, wenn die Zielsprache inhaltlich bedeutsam menschlich geprüft oder redaktionell kontrolliert wurde und eine natürliche oder juristische Person die tatsächliche redaktionelle Verantwortung trägt.

Vier Regelwerke, vier Antworten

RegelwerkAntwort für eine KI-ÜbersetzungMaßgeblich, wenn …
EU AI Actkeine Offenlegung nur bei inhaltlich bedeutsamer Prüfung oder Kontrolle und redaktioneller Verantwortung; sonst nur bei erfülltem Texttatbestanddu als Betreiber einen erfassten Text veröffentlichst
DFG-Förderhandelnkeine Offenlegung für Übersetzungsprogramme ohne Einfluss auf den wissenschaftlichen Inhaltdu einen DFG-Förderantrag stellst
Elsevier-JournalErklärung für KI-Übersetzungen nötig; einfache Grammatik-, Rechtschreib- und Zeichensetzungsprüfung ist ausgenommendu in einem Elsevier-Journal publizierst
Amazon KDPMeldepflicht — Übersetzungen sind ausdrücklich als KI-generierter Inhalt genannt, „even if you applied substantial edits afterwards”du ein Buch veröffentlichst

Die Unterschiede sind eng begrenzt: Die DFG-Ausnahme gilt im Förderhandeln nur ohne Einfluss auf wissenschaftlichen Inhalt. Elsevier verlangt die Deklaration der KI-Übersetzung trotz Review. Amazon KDP behält die Einstufung als AI-generated auch nach erheblicher Überarbeitung bei.

Die Prüfung, die dich befreit

Die europäische Ausnahme hängt an zwei kumulativen Voraussetzungen. Erstens braucht es eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Inhalt durch Menschen mit einschlägigem Fachwissen, mit Faktenprüfung als Mindestanforderung LL Rn. 134. Rechtschreib- und Grammatikkontrolle, eine bloße KI-Richtlinie, automatisierte Prüfläufe und eine flüchtige Freigabe genügen nicht LL Rn. 135. Zweitens muss eine natürliche oder juristische Person die tatsächliche redaktionelle Verantwortung tragen.

Auf eine Übersetzung übertragen heißt das etwas anderes als Korrekturlesen. Zu prüfen ist, ob die Aussagen in der Zielsprache noch stimmen: ob Fachbegriffe richtig getroffen sind, ob Zahlen, Einheiten und Rechtsbegriffe passen, ob eine idiomatische Wendung den Sinn verschoben hat. Wer nur liest, ob die Sätze rund klingen, hat die Ausnahme nicht erfüllt.

Wissenschaft: der feine Unterschied

DFG-Förderhandeln und Elsevier-Journals ziehen die Grenze verschieden. Die DFG nimmt Übersetzungsprogramme aus, soweit sie den wissenschaftlichen Inhalt nicht beeinflussen. Elsevier stellt einfache Grammatik-, Rechtschreib- und Zeichensetzungsprüfungen frei, verlangt für eine KI-Übersetzung aber eine Deklaration.

Eine Übersetzung ist kein bloßer Korrekturlauf, sondern formuliert den Text in einer anderen Sprache neu. Prüfe deshalb die Policy des konkreten Journals oder Verlags; andere Anbieter können von Elsevier abweichen. Welche Wortlaute und Orte gelten, steht auf der Seite zu KI in wissenschaftlichen Publikationen. Bei Prüfungsarbeiten sind die eigene Prüfungsordnung, Hilfsmittelvorgaben und Eigenständigkeitserklärung maßgeblich — siehe KI in wissenschaftlichen Arbeiten.

Was du praktisch tust

  1. Kanal zuerst bestimmen. Website, Förderantrag, Journal, Buchplattform — davon hängt alles Weitere ab. Es gibt keine Antwort, die überall passt.
  2. Jedes Regelwerk separat erfüllen. Elsevier verlangt die Deklaration trotz Review, KDP behält die AI-generated-Einstufung trotz erheblicher Bearbeitung und die DFG-Ausnahme hängt am fehlenden Einfluss auf den wissenschaftlichen Inhalt.
  3. Reihenfolge kontrollieren. Übersetzung vor der Freigabe, nicht danach.
  4. Wenn du nach Art. 50 offenlegst: Der freiwillige Code of Practice nennt für seine Unterzeichner drei Orte — über oder am Anfang des Textes, nahe der Überschrift oder in einem Kolophon beziehungsweise Publikationsvermerk am Textbeginn CoP 1.2.2 f. Außerhalb des Kodex gilt der funktionale Gesetzesmaßstab. Als mögliche Formulierung nennt die Wettbewerbszentrale „Dieser Text wurde mit Hilfe einer KI bearbeitet.“

Und ein Zeitpunkt-Hinweis, der bei Übersetzungen oft übersehen wird: Für Texte zählt der Veröffentlichungszeitpunkt, nicht die Erstellung LL Rn. 154. Eine 2025 erzeugte Übersetzung, die du heute online stellst, wird nach heutigem Recht beurteilt.