Bei KI-Texten sind Produktimplementierungen noch uneinheitlich. Google dokumentiert SynthID für Gemini-App und Web, während ein öffentlicher Text-Prüfweg fehlt. Diese Seite trennt das maschinenlesbare Signal von der engen Offenlegungspflicht für Texte. Der Überblick zur KI-Kennzeichnung ordnet die Pflichten ein.
Was Google in deinen Text schreibt
Google DeepMind beschreibt den Geltungsbereich: SynthID markiert Text, der von der Gemini-App und der Weboberfläche erzeugt wird. Ein Sprachmodell erzeugt Text Wort für Wort; SynthID verändert die Auswahlwahrscheinlichkeiten so, dass ein erkennbares Muster entsteht. Google bezeichnet es als für Menschen nicht wahrnehmbar und ohne Qualitätsverlust — das ist die Herstellerbeschreibung, keine unabhängige Messung dieser Seite.
| Ebene | Bei Gemini-Text | Wer kann es lesen? |
|---|---|---|
| SynthID-Wasserzeichen im Wortmuster | ✓ Gemini-App und Web | Prüfwerkzeug — mit Zugang |
| Signierte C2PA-Provenienz | für Gemini-Text nicht dokumentiert; C2PA 2.4 unterstützt Textverfahren | passende C2PA-Werkzeuge |
| Sichtbarer Hinweis im Text | kein automatischer Hinweis dokumentiert | Menschen — maßgeblich für Art. 50 Abs. 4 |
Google stellt Teile des Text-Wasserzeichenansatzes quelloffen bereit. Das ist eine dokumentierte technische Option für die Anbieter-Markierung, aber weder ein Markt-Alleinstellungsnachweis noch eine abschließende Art.-50-Konformitätsbewertung.
Code-Ausnahme und neuere C2PA-Textverfahren
Der Code of Practice verlangt mindestens eine geeignete maschinenlesbare Technik. Mehrere Schichten sind vorgesehen, solange eine einzelne Technik die vier Anforderungen nicht allein erfüllt; für Freitext enthält der Code eine Ein-Schicht-Ausnahme und begründet sie damit, dass Freitext keine Metadaten transportieren könne.
Diese Begründung ist technisch inzwischen zu relativieren: C2PA 2.4 beschreibt Einbettungen in unstrukturierten Text über Unicode Variation Selectors und in strukturierten Text wie Markdown oder YAML. Ob solche Signale einen konkreten Copy-Paste- und Publishing-Workflow überstehen, ist eine andere Frage. SynthID ist daher die von Google implementierte Lösung, nicht die einzig technisch denkbare. Der dokumentierte OpenAI-Stand steht unter ChatGPT-Texte.
Der Bruch: markiert und trotzdem unüberprüfbar
Auch ein nicht öffentlich prüfbares oder probabilistisches Signal ist kein sichtbarer Hinweis für das Publikum. Für die Offenlegungsfrage ist deshalb nicht entscheidend, ob ein Detektor in einem einzelnen Test anschlägt.
Warum SynthID keine sichtbare Textoffenlegung ersetzt
Der EU AI Act kennt zwei getrennte Pflichten. Art. 50 Abs. 2 richtet die maschinenlesbare Markierung an Anbieter; SynthID ist eine dafür eingesetzte Technik. Art. 50 Abs. 4 kann dich als Betreiber treffen, wenn du Gemini beruflich unter eigener Autorität eingesetzt hast und der Text die drei gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt. Bloßes Weiterveröffentlichen fremden Textes macht dich nicht automatisch zum Betreiber.
Dass das eine das andere nicht ersetzt, steht wörtlich in den Leitlinien: Offenlegungen müssen für natürliche Personen wahrnehmbar sein, „ohne dass sie auf spezielle technische Werkzeuge zurückgreifen” müssen — deshalb können Betreiber sich nicht auf die maschinenlesbare Markierung des Anbieters stützen LL Rn. 117. Dieselbe Aussage steht in der Art.-50-FAQ der Kommission. Bei einem Wasserzeichen, für dessen Prüfung es eine Warteliste gibt, ist das keine Formalie, sondern offensichtlich.
Wann du einen Gemini-Text überhaupt kennzeichnen musst
Praktisch heißt das: Produkttext, Newsletter oder Blogbeitrag sind nicht allein wegen ihres Formats frei. Betrifft der Inhalt Gesundheit, Sicherheit, Umwelt, eine Verwaltungsentscheidung oder eine andere Angelegenheit öffentlichen Interesses, kann die Regel greifen. Fehlt dieser Bezug oder wurde der Text nach dem hohen Leitlinienmaßstab geprüft, kann die Pflicht entfallen.
Wenn du kennzeichnest: Ort und Wortlaut
Der freiwillige Code of Practice nennt für veröffentlichten Text geeignete Orte CoP 1.2.2 f: über oder am Anfang des Textes, in der Nähe der Überschrift oder in einem Kolophon beziehungsweise Vorspann am Anfang des konkreten Textes. Die amtlichen EU-Icons gelten auch für veröffentlichten Text, in Varianten für KI-erzeugte und KI-veränderte Inhalte. Wie Icon und deutscher Zusatz zusammenspielen, steht unter Wie kennzeichnen?.
Für Bilder aus derselben Google-Familie gelten je nach Modell und Produktweg unterschiedliche Kombinationen aus SynthID, C2PA und sichtbaren Zeichen. Die differenzierte Matrix steht auf der Seite zu Gemini und Imagen. Warum sich KI-Texte grundsätzlich schlecht nachweisen lassen, sortiert die Seite KI-Texte erkennen.




