Über Midjourney kursieren gegensätzliche Aussagen: „jede PNG ist markiert“ und „Midjourney markiert nichts“. Beides ist ohne produkt- und dateispezifischen Nachweis zu absolut. Die verlinkte Midjourney-Dokumentation beschreibt Tarife, Öffentlichkeit und Nutzung, gibt aber keine belastbare Universalzusage zu IPTC, C2PA oder sichtbaren Wasserzeichen in jedem Export.
Was in deiner konkreten Datei steckt
Der IPTC-Wert trainedAlgorithmicMedia bezeichnet vollständig mit einem trainierten algorithmischen Modell erzeugte Medien. Das Vokabular erklärt damit die Bedeutung des Werts, nicht ob Midjourney ihn in jede Datei schreibt. Dasselbe gilt für mögliche Prompt-, Account- oder Job-Felder.
Für einen belastbaren eigenen Test brauchst du mindestens:
- Originaldatei und Hash,
- Modell-/Produktversion, Tarif, Erzeugungs- und Downloadweg sowie Datum,
- genaue Versionen und Befehle des Metadaten-Parsers und C2PA-Validators,
- getrennte Ergebnisse für Original, Upscale, Edit und Export.
Ohne diese Artefakte sind unveröffentlichte Trefferquoten nicht reproduzierbar und beweisen erst recht keine aktuelle Produkteigenschaft. Was ein C2PA-Manifest belegt und was nicht, erklärt das Glossar.
Metadaten können erhalten bleiben oder verloren gehen
Eine Textsuche im Binärcode ist kein verlässlicher Metadaten-Test; nutze einen passenden Parser. Was danach passiert, hängt vom Werkzeug ab: Ein Editor kann XMP erhalten, entfernen oder neu schreiben. Auch JPEG und WebP können Metadaten tragen; eine Formatkonvertierung entfernt den Marker nicht naturgesetzlich. Ein gewöhnlicher Screenshot übernimmt eingebettete Metadaten dagegen typischerweise nicht.
Öffentliche Generierungen und Stealth Mode
Offiziell belegt sind die Regeln zur Sichtbarkeit auf Midjourneys Plattform: Generierungen sind standardmäßig öffentlich; Stealth Mode ist nur in Pro und Mega enthalten. Diese Kontoeinstellung betrifft die Veröffentlichung auf Midjourney, nicht den dokumentierten Inhalt jeder Bilddatei. Aussagen darüber, welche gelöschten Jobs über welche URL weiter erreichbar sind, wären gesondert zu belegen.
Was die offiziellen Listen aussagen — und was nicht
Die offizielle C2PA Conforming Products List führt am 07.08.2026 kein Midjourney-Produkt. Das bedeutet nur, dass kein Produkt im dortigen Konformitätsprogramm gelistet ist; es beweist nicht, dass keine Midjourney-Datei C2PA oder andere Metadaten enthalten kann.
Midjourney steht auch nicht auf der Signatarliste des freiwilligen Code of Practice. Das ist kein Rechtsverstoß und keine Aussage über die technische Qualität einer konkreten Datei; Nicht-Signatare können Konformität auf andere geeignete Weise darlegen LL Rn. 148.
Die Tarifdokumentation bestätigt vier Bezahlpläne, keinen Gratisplan und Stealth Mode nur für Pro und Mega. Sie dokumentiert aber nicht universell, ob jeder Export ein sichtbares Wasserzeichen enthält oder nicht. Auch hier gilt: Dokumentationsschweigen ist kein technischer Negativbeweis.
Terms und EU AI Act getrennt prüfen
Midjourneys Nutzungsbedingungen enthalten keine ausdrückliche universelle Labelklausel. Sie verbieten aber, Empfänger absichtlich über Natur oder Herkunft der Inhalte irrezuführen. Auch eine Gesamtdarstellung ohne ausdrückliche Falschaussage kann kontextabhängig irreführend sein; eine pauschale Vertragsfreigabe für unkommentierte Bilder lässt sich daraus nicht ableiten.
Der AI Act prüft andere Voraussetzungen. Wenn du Midjourney in einer beruflichen Tätigkeit unter eigener Autorität eingesetzt hast, bist du Betreiber. Ist das veröffentlichte Ergebnis außerdem ein Deepfake, musst du es wahrnehmbar offenlegen Art. 50 Abs. 4. Bloßes Weiterveröffentlichen fremden Materials macht dich nicht automatisch zum Betreiber. Maschinenlesbare Signale ersetzen die sichtbare Offenlegung nicht LL Rn. 117.
„Beruflich“ ist nicht auf Konzerne beschränkt, aber auch nicht mit jedem unmittelbaren wirtschaftlichen Nutzen gleichzusetzen. Maßgeblich ist der Einsatz im Rahmen einer beruflichen, auch wirtschaftlichen oder nichtwirtschaftlichen Tätigkeit; rein persönliche, nichtberufliche Nutzung ist ausgenommen LL Rn. 19. Details stehen unter Wer muss kennzeichnen?.
So kennzeichnest du Midjourney-Bilder verlässlich
- Rolle und Inhalt einordnen: Hast du das System unter eigener beruflicher Autorität eingesetzt? Bezieht sich das Ergebnis auf etwas Existierendes und erzeugt der Kontext einen falschen Authentizitäts- oder Wahrheitsanschein?
- Wenn erforderlich, sichtbar labeln. Ein kontrolliert in die Pixel gesetztes Label ist robuster als Metadaten, aber auch dessen Sichtbarkeit muss nach Zuschnitt und Layout geprüft werden. Wie es aussehen und wo es stehen kann, erklärt Wie kennzeichne ich richtig?.
- Original und Prüfprotokoll archivieren. Bewahre die unveränderte Datei samt Hash, Erzeugungsweg und Prüfergebnis auf. Behaupte ein IPTC-Feld nur, wenn der Parser es in genau dieser Datei gefunden hat.
Wie sich Midjourney im Vergleich zu anderen Generatoren und Kanälen einordnet, zeigt die Übersicht zur KI-Kennzeichnung. Der belastbare Ausgangspunkt bleibt die konkrete Datei, nicht eine universelle Behauptung aus einer undokumentierten Stichprobe.
Label rein, bevor das CMS zuschlägt
Ist eine sichtbare Offenlegung erforderlich, zieh deine Midjourney-Datei in den Editor, setze das EU-Label oder einen klaren Text und exportiere in Eingabeauflösung bis zum Browserlimit. Prüfe danach, ob es im endgültigen Ausschnitt sichtbar bleibt. Dein Bild verlässt dabei deinen Rechner nicht.




